Autofill-Fails oder wie man es besser macht

Formulare ausfüllen – Nicht nur im Amt!

Formulare ausfüllen ist normalerweise keine Tätigkeit, die die meisten von uns gerne und mit viel Begeisterung ausführen. Trotzdem muss man gerade im Internet und bei digitalen Services und Anwendungen häufig seine persönlichen Daten eingeben. Egal, ob man etwas online bestellen will oder sich irgendwo anmelden möchte, in der Regel ist es immer notwendig, Angaben über Person und/oder Adresse zu hinterlassen. Diese Eingabeformulare sind besonders dann anstrengend, wenn man sie mit mobilen Geräten ohne Tastaturen ausfüllen muss.

Geht das nicht auch einfacher? Eigentlich schon…

Um diesen Umstand zu erleichtern, gibt es mittlerweile in eigentlich allen Browsern eine Autocomplete-Funktion (auch: Autofill), die automatisch gespeicherte Daten in entsprechende Felder füllt, sobald ein Eingabeformular erkannt wird. Allerdings klappt das je nach Seite oder App mal mehr und mal weniger gut:

Autofill-FailFehlgeschlagener Autofill-Vorgang bei einem Bestell-Formular

Teilweise werden z.B. Hausnummern in das Telefonnummer-Feld eingetragen oder die Anrede zur Firma. Dadurch muss man manuell alles noch einmal durchgehen und korrigieren – oder es geht schlimmstenfalls direkt eine Lieferung schief. Die User Experience kann also maßgeblich sowohl positiv als auch negativ durch gut bzw. schlecht umgesetzte Autocomplete-Unterstützung beeinflusst werden.

Was kann eine gute Autocomplete-Implementierung erreichen?

Google hat herausgefunden, dass Nutzer Formulare mit korrekt umgesetzter Autocomplete-Funktion bis zu 30% schneller ausfüllen konnten. Abbruchraten sinken ebenfalls merkbar und aus eigener Erfahrung können die meisten Leser wahrscheinlich zustimmen, dass es wesentlich angenehmer und schneller ist, wenn die Eingabe auf diese Weise erleichtert wird – vor allem, ohne dass eine manuelle Korrektur notwendig ist.

Autocomplete: Einfach umsetzbar, große Wirkung

Mit nur marginalem Mehraufwand, in Form von richtig gesetzten Autocomplete-HTML-Tags nach WHATWG HTML Standard, erkennen mittlerweile eigentlich alle Browser die Felder korrekt und ohne Probleme. Das bedeutet konkret, dass für jede Art von Eingabefeld lediglich die entsprechende richtige Markierung bei der Entwicklung manuell ergänzt werden muss, damit das Feld erkannt wird (z.B. autocomplete=“email“).

Dieser Aspekt sollte stets ausreichend in Tests von Usability und User Experience einbezogen werden, damit ein reibungsloser Ablauf für die Nutzer garantiert werden kann. Durch verschiedene Länderkonventionen bei Adressen und möglichen Eigenheiten verschiedener Browser sind Tests mit Daten und Experten aus jeweiligen Ländern besonders empfehlenswert.

Form follows function

Auch trotz individueller Menüs o.ä. ist es in nahezu allen Fällen auf einfachem Wege möglich, Autofill korrekt zu implementieren. Es sollte nur stets darauf geachtet werden, dass anstelle von unspezifischen Elementen entsprechend reguläre HTML Eingabe-Elemente verwendet werden, die eine Autocomplete-Verwendung ermöglichen (also <input>, <textarea>, <select> und <form>).

Im Zweifelsfall sollte Usability vorgehen – gerade bei Formularen ist Funktionalität wichtig. Auch und besonders Menschen mit körperlichen und geistigen Einschränkungen kann eine gelungene Implementierung der Autocomplete-Funktionalität helfen.

Möglichkeiten als Nutzer

Als Nutzer ist man zwar auf die Betreiber der jeweiligen Seiten und Apps angewiesen, aber auch der gewählte Browser hat einen Einfluss darauf, was für die jeweiligen Eingabefelder vorgeschlagen wird. Bei manchen Browsern (z.B. Chrome) hat man auch die Möglichkeit, vorher genau zu definieren, welche Werte in welche Felder eingetragen werden sollen. Solange diese Felder dann korrekt vom Betreiber des Formulars markiert wurden, kann man so die Präzision der Vorschläge noch erhöhen.

Im Idealfall bemerkt man als Nutzer dann gar nicht mehr wirklich, dass man ein Formular ausfüllen muss, sondern gelangt mit einem Tasten- oder Fingerdruck direkt zum nächsten Schritt. Damit ist man seinem Besuchsgrund näher, nicht genervt und somit eventuell auch gewillter, einen Kauf oder ähnliches durchzuführen. Eine eigentlich erstrebenswerte Situation für alle Beteiligten.

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Thomas Pfab
Thomas Pfab
Thomas ist bei Facit Digital spezialisiert auf quantitative Marktforschung und Datenanalyse. Er betreut unter anderem langfristige Brand Trackings und Werbewirkungs-Messungen. Dabei hilft er seinen Kunden, die richtigen Maßnahmen für ihre jeweiligen Zielgruppen zu ergreifen, indem er deren Bedürfnisse und Einstellungen identifiziert. /// Thomas specializes in quantitative market research and data analysis. Among other things, he supervises long-term brand tracking and advertising impact research. He helps his clients to take the right measures for their respective target groups by identifying their needs and attitudes.