Beeinflusst die Anschaffung eines Smart TV das Fernsehverhalten?

Eine Studie von Facit Digital für die Medienanstalten

Um beurteilen zu können, ob moderne TV-Geräte das Nutzerverhalten und die Zugänglichkeit zu TV-Sendern beeinflussen, haben die Medienanstalten Facit Digital damit beauftragt, die gängigsten TV Geräte einer systematischen Analyse zu unterziehen. Näher betrachtet wurden unter anderem die voreingestellte Programmlistung sowie die Listung der Apps in den Smart TV Portalen.

Für die Analyse wurden 14 Smart TVs ausgewählt, darunter Geräte von Samsung, LG, Sony und Panasonic. Es wurden ethnografische Interviews bei den Teilnehmern im Raum München zuhause durchgeführt, um sowohl die Standardeinstellungen eines jeden Geräts als auch die Anpassungen durch den Nutzer zu erfassen.

Selbstständige Kanalsortierung schwierig

Hinsichtlich der Sendersortierung ergab sich kein klar erkennbares Muster, dass eine Bevorzugung bestimmter Sender zeigte. Es entstand eher der Eindruck, dass die Sender nach keiner erkennbaren Logik verteilt waren. Aufgrund der schieren Anzahl von Fernsehsendern und der fehlenden Sortierung, musste der Nutzer bei allen getesteten Geräten selber seine Kanalsortierung anpassen. Die meisten Smart TVs machten es den Nutzern allerdings schwer, die Senderliste neu zu ordnen. So waren z.B. bei LG die verschlüsselten Sender nicht als solche gekennzeichnet, was eine Sortierung schwierig machte.

Einfacher Zugriff auf Streaming Dienste

Im Gegensatz zum normalen Fernsehen machten es die meisten Smart TVs den Nutzern sehr einfach, nichtlineare Inhalte über leicht erreichbare Apps anzusehen. Grundig und Panasonic hatten sogar eine eigene Netflix Taste in die Fernbedienungen integriert. Bei genauerem Blick auf die Smart TV Portale wurde deutlich, dass TV-relevante Apps im Gegensatz zu nativen Apps der Hersteller vergleichsweise sehr häufig vorkamen. Die TV-relevanten Apps stammten hauptsächlich von Streaming Anbietern und Mediatheken.

Die meisten Hersteller listeten die Streaming Apps der Anbieter Netflix, maxdome, YouTube,  Wuaki.tv und Amazon Instant Video besonders prominent an den ersten Stellen des Smart-TV-Portals. Ebenfalls sehr häufig waren die Mediatheken von ARD, arte und ZDF in den Smart TV Portalen zu finden. Zusätzliche Apps wurden von den Nutzern kaum heruntergeladen. Das Verschieben von Apps war zwar bei den meisten Geräten möglich, wurde aber in der Realität praktisch nicht durchgeführt.

Prominente Platzierung kostenpflichtiger Streaming-Dienste im Smart TV Portal Panasonic Firefox TV

Hinzufügen weiterer Apps eher selten

Das Entfernen vorinstallierter Apps aus der Hauptansicht war bei vielen Herstellern hingegen nicht erlaubt. Die Installation weiterer Apps über App Stores war bei den meisten Herstellern möglich. Die Aussagen der Studienteilnehmer deuteten aber darauf hin, dass dies kaum genutzt wurde. Die Hersteller haben somit de facto einen bedeutsamen Einfluss auf die letztlich verwendeten Dienstanbieter und das Nutzerverhalten.

Video on Demand first – klassisches Fernsehen second?

Diese Erkenntnisse lassen die Vermutung zu, dass die Hersteller wenig Interesse haben, den Nutzern den Zugang zum normalen Fernsehprogramm zu erleichtern. Stattdessen bemühen sich die Hersteller offenbar, den Zugriff auf ausgewählte Video on Demand-Anbieter so einfach wie möglich zu gestalten. Neben technischen Gründen könnten neue Erlösquellen für die Hardwarehersteller ein Grund für diesen Umstand sein. Je mehr Sehdauer der Gerätenutzer auf Abrufinhalte entfällt, desto attraktiver wird eine Präsenz für Drittanbieter auf den jeweiligen Herstellerplattformen. Der allgemeine Trend zur Nutzungsänderung in Richtung Streaming Dienste scheint hierdurch zumindest begünstigt zu werden.

Die gesamte Studie können Sie hier nachlesen.

 

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Bettina Föll
Bettina Föll
Bettina ist Senior Consultant bei Facit Digital und hilft seit 5 Jahren die User Experience diverser Plattformen zu verbessern. Besonders spezialisiert ist sie im Bereich qualitative Methoden und Connected TV.