Informationsverarbeitung und ihre Grenzen – wann zu viel einfach zu viel ist.

conitive load

© Beatriz Gascon J/Shutterstock

Wie verarbeiten wir Informationen?

Einige Menschen stellen sich Informationen am liebsten bildlich vor, andere bauen sich eine Eselsbrücke, um Informationen zu verstehen und abzuspeichern. Wieder andere lernen Text durch etliche Wiederholungen einfach auswendig.

Allerdings ist die menschliche Kapazität, Informationen aufzunehmen sowie Informationen zu verarbeiten, begrenzt. Das Arbeitsgedächtnis kann etwa sieben Konzepte bzw. Wissensinhalte kurzzeitig zwischenspeichern und verarbeiten. Eine siebenstellige Telefonnummer kann man sich daher kurzfristig recht gut merken. Bei zehn Stellen brauchen die meisten von uns schon einen Zettel.

Was bedeutet kognitive Belastung?

Bei der kognitiven Belastung (engl.: cognitive Load) handelt es sich um einen Begriff aus der Psychologie. Er beschreibt das Ausmaß der mentalen Ressourcen, die z.B. für das Bedienen eines Systems aufgewendet werden müssen. Das Kapazitätslimit des Arbeitsgedächtnisses spielt hierbei eine wichtige Rolle. Werden wir z.B. mit zu vielen und zu komplexen Informationen überladen, leidet unsere Leistung. Auch das Lernen neuer Inhalte wird verhindert.  Es ist ähnlich wie bei einem Computer. Je mehr Programme gleichzeitig laufen, umso langsamer wird der Computer. Seine Arbeitskapazität ist begrenzt. Genauso ist es mit dem Arbeitsgedächtnis eines Menschen. Wenn zu viele, zu komplexe Informationen aufgenommen werden müssen, wird das Arbeitsgedächtnis überlastet. Es wird langsamer, weniger effektiv und macht unter Umständen Fehler. Das können Sie sich so vorstellen: Wenn Sie versuchen, sich die Telefonnummer einer Freundin, die komplette Einkaufsliste und die Urlaubsadresse eines Bekannten zu merken, vergessen Sie vermutlich einige der Dinge, die sie sich merken wollten.

Was bedeutet das in Bezug auf digitale Medien?

Stellen Sie sich vor, Sie besuchen eine Webseite z.B. einer Versicherung, um herauszufinden, welche Versicherung die Richtige für Sie ist. Auf der Homepage werden Ihnen Informationen zu etwa 20 verschiedenen Versicherungspaketen in Textform geboten. Um zu entscheiden, welches Angebot ausgewählt werden soll, muss jedes einzelne Angebot vom Nutzer analysiert werden. Das bedeutet eine hohe kognitive Belastung. Frustration und Überforderung können auftreten, weil man das Gefühl hat, sich alles durchlesen und merken zu müssen, ohne einen guten Überblick zu bekommen. In Folge kann das bedeuten, dass Nutzer die Seite frühzeitig verlassen um sich woanders zu informieren oder eine negative Erfahrung mit dieser Versicherung verbuchen.

Wie kann man die kognitive Belastung also einschränken oder reduzieren?

Weniger ist mehr!

Die kognitive Belastung kann schon reduziert werden, indem auf visuelle Schlichtheit beim Website-/App-Design gesetzt wird. Das heißt, auf überflüssige Bilder sollte genauso verzichtet werden wie auf zehn verschiedene Schriftarten und -farben. Diese Visualisierungen müssen nämlich auch vom Gehirn verarbeitet werden und verbrauchen mentale Ressourcen, die gegebenenfalls noch an anderer Stelle benötigt werden, z.B. um komplexe Inhalte zu verstehen.

Gleiches gilt für die Struktur einer Website und die Inhalte selbst. Die Verwendung einer klaren Struktur gewährleistet Übersichtlichkeit und vereinfacht das Verständnis. Auf das „Versicherung“-Beispiel bezogen könnte das bedeuten, eine schnellere Vergleichbarkeit der Angebote zu gewährleisten. Das könnte durch eine tabellarische, übersichtliche Auflistung der Inhalte eines Pakets umgesetzt werden, statt die Informationen in reiner Textform anzubieten.

Inhalte sollten auf die wesentlichen Punkte reduziert werden und kategorisiert werden, sodass zusammenhängende Informationen beispielsweise auf einer Seite stehen oder unter einem Reiter zu finden sind.

Eine Filterfunktion kann für weitere Vereinfachung sorgen. Der Nutzer kann Inhalte, die für ihn nicht interessant sind, ausblenden und somit den kognitiven Aufwand minimieren. Statt beispielsweise 2000 Produkten müssen nur 50 angeschaut und verarbeitet werden.

Zalando.de

Zalando hat neben Filterfunktionen nach Kleidungsart z.B. T-Shirts, Hosen etc. auch zusätzliche Filter für z.B. die Farbe der Kleidungsstücke integriert, um eine spezifische und schnelle Suche zu ermöglichen.

Eine weitere Möglichkeit, die kognitive Belastung z.B. bei Buchungsprozessen zu reduzieren, bietet die Verwendung von Default-Werten. Mit Hilfe dieser Voreinstellungen, minimiert sich die Anzahl der zu treffenden Entscheidungen. Außerdem kann der Buchungsprozess schneller durchgeführt werden.

bahn.de

Bahn.de nutzt zum Beispiel Default-Werte „2.Klasse“ und „Schnellste Verbindung anzeigen“. Außerdem ist der heutige Tag und die aktuelle Uhrzeit immer automatisch eingestellt für die Hinfahrt.

 

Durch die Reduktion der kognitiven Belastung wird es dem Nutzer ermöglicht, seine mentalen Ressourcen für die Zielerreichung auf einer Website zu nutzen. Eine Aufgabe lässt sich so effektiv und effizient erledigen. Als Konsequenz hat der Nutzer meist einen positiveren Eindruck und verbindet ein positiveres Nutzungserlebnis mit dem Produkt.

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Franziska Michels
Franziska Michels
Wie nehmen Menschen ein Interface wahr? Welche Art der Bedienung begeistert? Was geht in Nutzern vor, während sie ein Produkt zum ersten Mal nutzen? Das sind Fragen die Franziska mit ihrem Background der Psychologie und Cognitive Neuroscience beschäftigen. /// How do people perceive an interface? What kind of user interface inspires? What is going on in users while they are using a product for the first time? These are questions that Franziska deals with in her background in psychology and cognitive neuroscience.