Inside Facit Digital – oder: was es heißt, als UX Consultant zu arbeiten

Ab sofort werden unter der Rubrik „Inside Facit Digital“ in regelmäßigen Abständen Mitarbeiter von Facit Digital vorgestellt. Im Interview schildern sie, wie sie zu Facit Digital gekommen sind, womit sie sich tagtäglich beschäftigen und was für sie das Besondere an der Arbeit in der User Experience Forschung ist. Den Anfang macht:

Florian Völkl, Senior Consultant

1. Worum geht es in deinem Job als Research Consultant genau?

Als Consultant bin ich verantwortlich für die Durchführung unserer Kundenprojekte. In der Regel ist es so, dass ich dabei die Projekte von Anfang bis Ende betreue. Das fängt bei der Angebotserstellung und -kalkulation an und endet mit einer Präsentation der Studienergebnisse. Dazwischen: Projektmanagement, Testdesign entwerfen, Zielgruppenkriterien definieren, Probanden befragen, die Befragung auswerten und einen ansprechenden Bericht erstellen – natürlich immer in enger Abstimmung mit dem Kunden und gemeinsam mit Kollegen aus unserem Team.

2. Woran arbeitest du z.B. aktuell?

Gerade habe ich ein Projekt für einen Kunden aus dem Finanzbereich abgeschlossen, der eine neue App plant. Wir wurden hier in einem frühen „Entwicklungsstadium“ hinzugezogen und haben einen ersten, noch recht rudimentären Prototypen mit unseren Probanden getestet.

Das Spannende war, schon zu diesem Zeitpunkt grundlegende Probleme und Nutzungshürden aufzudecken und den Kunden dementsprechend für die weitere Entwicklung zu beraten. Der Kunde war happy, weil er so bereits weit vor Release ein erstes Meinungsbild der Zielgruppe bekommen hat und weiß, wo die schwerwiegendsten „Baustellen“ sind und ihm z.B. klar wurde, ein sehr aufwändig zu programmierendes Feature nicht weiter zu verfolgen – das kam nämlich bei unseren Testnutzern gar nicht gut an. Ich bin schon gespannt auf die neue Version der App, die werden wir in den nächsten Wochen einem erneuten Test unterziehen.

3. Was magst du am liebsten an deiner Tätigkeit als Research Consultant bei Facit Digital?

Um bei dem gerade genannten Beispiel zu bleiben: Den Projektabschluss bildete ein Workshop mit dem Kunden. Wir haben dabei die Findings aus den Tests diskutiert, wobei wir da ja klassischerweise die Rolle des „Anwalts der Nutzer“ übernehmen, und gemeinsam nach Strategien und Ideen für die weitere Entwicklung gesucht. Da ging es durchaus intensiv hin und her, aber am Ende stand ein Konzept, bei dem alle überzeugt waren, dass sowohl die Business-Interessen gewahrt sind als auch die Anforderungen an eine tolle User Experience erfüllt sind. Eng mit dem Kunden zusammenzuarbeiten und sich auf einer vertrauensvollen Ebene auch einmal kontrovers auszutauschen, das sind immer tolle Erfahrungen – und produziert den besten Output.

Ganz generell ist die Abwechslung in meinem Job ein großes Plus. Schon innerhalb jedes Projekts fallen verschiedenste Aufgaben an, aber man hat auch immer wieder mit neuen Kunden aus unterschiedlichsten Branchen und dementsprechend mit neuen Themen und Fragestellungen zu tun. Und dadurch, dass wir uns mit digitalen Produkten und Diensten befassen, bleibt man auch immer am Ball, was aktuelle Entwicklungen und Trends betrifft – es wird nie langweilig.

4. Wolltest du schon immer UX Consultant werden?

Während meines Studiums war mir schnell klar, dass ich gerne mal in der Marktforschung arbeiten würde. Dass ich jetzt als UX Consultant arbeite, mich mit digitalen Produkten und mit Nutzerforschung beschäftige, war zugegebenermaßen so nicht direkt geplant. Zufall war es aber dann wohl auch nicht, denn alles rund um die Themen Internet und Smartphones hat mich schon immer wahnsinnig interessiert, und wenn es bei Familie und Freunden dahingehend etwas zu erklären gibt, bin ich stets der erste Ansprechpartner.

5. Was hast du vor deiner Anstellung bei Facit Digital gemacht?

Ich habe einige Jahre in der klassischen Marktforschung gearbeitet und mich mit Konsumgütern beschäftigt. Da ging es um Tiefkühlpizza, Chips, Schokolade, Käse, Whiskey und Klopapier und um Sortimentsoptimierungen oder Geschmacks- bzw. Verpackungstests. Das waren spannende Projekte, und dass häufig Produkte nach den Tests übrig blieben und unter den Mitarbeitern verteilt wurden, war natürlich auch nicht uninteressant.

6. Wie kam es dazu, dass du dich bei Facit Digital beworben hast?

Es war einfach an der Zeit für eine neue berufliche Herausforderung. Ich wollte weiter in der Marktforschung bleiben, gleichzeitig aber auch neue Themen und Methoden „beackern“. Ich bin dann auf eine Stellenausschreibung der Facit Digital gestoßen und ich dachte mir, dass das in diesem Moment genau das Richtige für mich sein könnte. War dann auch so.

7. Hättest du dir deinen Alltag so vorgestellt, bevor du hier angefangen hast zu arbeiten?

Da ich vorher auch schon in einem Marktforschungsinstitut gearbeitet und ebenso Adhoc-Projekte durchgeführt hatte, habe ich mir das schon gut vorstellen können. Positiv überrascht war ich von der guten Stimmung und den flachen Hierarchien sowohl hier bei Facit Digital als auch in der ganzen Serviceplan-Gruppe. Genauso findet der Austausch mit unseren Kunden oft auf einem sehr angenehmen Level statt. Nicht, dass ich da niedrige Erwartungen hatte, aber ich denke, diese Dinge sind bei uns schon überdurchschnittlich und zeichnen das Arbeiten auch aus.

8. Eine Herausforderung, die du in deiner Zeit bei Facit Digital bezwungen hast:

Mehrmals am Tag vier Stockwerke zu Fuß erklimmen, als unser Aufzug defekt war.

9. Dein bisheriges Highlight bei Facit Digital?

Ein großer Agrarhändler hatte uns für den Ausbau seines E-Commerce-Angebots damit beauftragt, Landwirte zu befragen und zu ergründen, wie sich die Zielgruppe im digitalen Kontext bewegt, also v.a. welche digitalen Tools bereits wie im Einsatz sind und wo es Bedürfnisse und Chancen für neue Produkte und Services geben könnte.

Ich bin dann durch halb Deutschland gereist und habe Landwirte im Rahmen ethnographischer Interviews befragt. Das war natürlich extrem interessant für mich persönlich (Wann kommt man sonst schon auf einen GPS-gesteuerten Traktor, in einen vollautomatisierten Mastbetrieb, hinter die Kulissen eines Bio-Weinbauern oder darf der Hopfenverarbeitung beiwohnen?) – durch diesen Ansatz konnten wir aber vor allem auch wertvolle Insights aus dem Arbeits- und Alltagsumfeld der Landwirte gewinnen und unserem Kunden wertvolle Ideen liefern.

10. Qualitativ oder quantitativ?

Kommt natürlich auf das Erkenntnisinteresse an! Ich mag Zahlen, finde Excel super und habe in der Uni auch abgefahrene multivariate Analysen in SPPS, Stata und R gerechnet, aber wenn ich mich entscheiden müsste, dann eher quali – den Dingen auf den Grund gehen, das ‚Warum?‘ aufdecken und den Nutzer umfassend verstehen; und ohne quali auch keine herausragende User Experience, denke ich.

11. Welcher UX-Fail bringt dich auf die Palme?

Da gibt es natürlich viele vermeintliche Kleinigkeiten auf allen möglichen Websites, die einem ins Auge fallen, aber die bringen mich jetzt nicht auf die Palme. Was ich erstaunlich finde: Selbst manche „große“ Websites bieten eine teils furchtbare User Experience, man hat sich dann als Nutzer aber oft schon daran gewöhnt oder nimmt das Angebot so hin, weil man kaum eine andere Wahl hat. Ich denke da z.B. an Produktseiten bei Amazon: Natürlich habe ich mittlerweile gelernt, dass die Seite zur Hälfte aus Werbung besteht und wo ich die relevanten Infos trotzdem finde – Übersichtlichkeit, Klarheit und Joy of Use ist aber etwas anderes. Was mich aber tatsächlich auf die Palme bringt, ist Android – aus meiner Sicht ist dieses Betriebssystem als Ganzes weder ansprechend gestaltet noch intuitiv nutzbar. Aber vielleicht bin ich da auch etwas zu stark Apple-sozialisiert…

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Theresa Amberger
Theresa Amberger
Als studierte Kommunikationswissenschaftlerin stellt Theresa viele Fragen und geht den Dingen gerne auf den Grund, so auch für die Blog-Reihe „Inside FaDi“. Im UX Consulting bei Facit Digital kann sie diese Leidenschaft mit ihrem Interesse an digitalen Trends und technologischen Neuerungen optimal vereinen.