UX Basics to go: Affordance

In der Kategorie UX Basics to go stellen wir unterschiedliche User Experience und Usability Grundbegriffe vor. Genau das Richtige für alle, die sich in Kürze Grundwissen rund um UX aneignen möchten.

Heute geht’s um: Affordance

Wer einem fundierten Gespräch über Usability lauscht, wird früher oder später über den Begriff Affordance stoßen. Aber eigentlich sind wir alle auch ununterbrochen umgeben von Affordances. Was also verbirgt sich hinter dem Ausdruck?

Nach der offiziellen Definition von UXQB ist Affordance…

…die Fähigkeit eines Objekts, sich selbst zu erklären. Im Deutschen wird Affordance am besten mit Aufforderungscharakter übersetzt (UXQB: International Usability and User Experience Qualification Board).

Das einfachste Beispiel einer Affordance ist der Henkel an einer Tasse: Er stellt eine offensichtliche Aufforderung dar, die Tasse entsprechend zu halten.

Hat ein Objekt eine starke Affordance, dann ist sehr klar und eindeutig, wie man es verwendet. Auf digitale Produkte übertragen, bietet beispielsweise ein Button auf einer Website eine Affordance zum Klicken – vorausgesetzt der Benutzer ist sich intuitiv über die Folgen des Klicks im Klaren. So hat ein Skeumorphismus Button, also einer, der durch Schlagschatten oder 3D-Effekt einem realen Schalter ähnelt, mehr Aufforderungscharakter als ein Button im Flat Design.

Ein Rückschritt für die Affordance? – Heute werden wirklichkeitsgetreue Skeumorphismus Buttons (links) häufig durch das modernere Flat Design (rechts) ersetzt.

Um auch neuen Benutzern eine möglichst intuitive Nutzung zu ermöglichen, hilft es daher im Sinne der Affordance, den folgenden vier Grundprinzipien zu folgen:

  • Beachtung geltender Konventionen: Internetnutzer haben beispielsweise gelernt und sind es daher gewohnt, dass sich hinter blau unterstrichenen Wörtern klickbare Links verbergen.
  • Beschriftung, um „korrekte“ Affordance zu erreichen: Ergänzt man Icons mit Labeln kann das zu einer verständlicheren und intuitiveren Nutzung eines Interfaces beitragen.
  • Einsatz von Metaphern: z.B. ein Briefumschlag als Aufforderung für „neue E-Mail schreiben“ oder ein Mülleimer für „Löschen“. Hier sollten allerdings kulturelle Rahmenbedingungen beachtet werden, da es ein Hindernis darstellen kann, wenn Metapher vom Nutzer nicht richtig verstanden werden.
  • Kontinuität: ähnliche Interaktionsmöglichkeiten sollten auch ähnlich gestaltet werden

Wer hat’s erfunden?

Urheber des Konzepts war der Wahrnehmungspsychologe James J. Gibson (The Ecological Approach to Visual Perception, 1979). In den Bereich der Human-Computer-Interaktion (HCI) eingeführt hat den Begriff der Affordance Don Norman – Usability-Pionier und Mitbegründer der renommierten Nielsen Norman Group. In seinem Buch „The Design of Everyday Things“ (1988) propagiert er die Ansicht, dass es nur selten der Fehler der Nutzer, sondern meist ein Versagen des Designs ist, wenn die Nutzung von Objekten scheitert.

Ein großer Teil seiner Arbeit beschäftigt sich mit dem Design von Türen. Seiner Ansicht nach ist der Großteil der Türen nicht nutzerfreundlich gestaltet – hauptsächlich aufgrund mangelhaftem Aufforderungscharakter. Haben Sie vielleicht auch schon mal an einer Tür gedrückt, obwohl dort deutlich „ziehen“ zu lesen war? Falls ja, haben Sie bereits Bekanntschaft mit einer sogenannten „Norman Door“ gemacht. Dass Sie damit nicht alleine sind, zeigt dieses Video.

UX-Interesse geweckt?

Sie wollen direkt tiefer einsteigen in die Materie der Usability? Vielleicht haben Sie Interesse an unserem Facit Digital User Experience Seminar. In diesem zweitägigen Training können Sie alle Grundkenntnisse rund um Usability und User Experience erlangen.

 

 

Beitrag teilen
Theresa Amberger
Theresa Amberger
Als studierte Kommunikationswissenschaftlerin stellt Theresa viele Fragen und geht den Dingen gerne auf den Grund, so auch für die Blog-Reihe „Inside FaDi“. Im UX Consulting bei Facit Digital kann sie diese Leidenschaft mit ihrem Interesse an digitalen Trends und technologischen Neuerungen optimal vereinen.