Wie Augmented Reality den E-Commerce verändern wird

Es besteht kaum Zweifel, dass Augmented Reality (AR) eine der großen, neuen Entwicklungen in der Tech-Branche ist. Spätestens seit dem Pokémon Go-Boom sollte AR salonfähig gemacht worden sein. Augmented Reality ist jedoch nicht mit Virtual Reality zu verwechseln. Während sich Virtual Reality mit einer computergenerierten, interaktiven virtuellen Umgebung befasst, bezieht sich AR auf die Verknüpfung der realen Umgebung mit virtuellen Objekten. Es geht demzufolge um eine digitale Erweiterung der menschlichen Umgebungswahrnehmung.

Augmented Reality – it’s more than fun!

Augmented Reality macht dennoch häufig den Eindruck, eine Spielerei zu sein, die die wirklich relevanten Nutzungsszenarien nicht abzudecken vermag. Doch dem ist nicht so! Verknüpft man beispielsweise AR mit E-Commerce, so ergeben sich neue Möglichkeiten, welche die User Experience beim Onlineshopping nachhaltig verbessern können.

Denn Augmented Reality bringt Realität in das Einkaufszenario des Nutzers. Wie oft haben Sie sich schon bei der Betrachtung von Produktbildern auf einem Onlineshop gedacht: „Das schaut ja ganz nett aus, aber ob das dann wirklich in meine Wohnung passt?“ Ein kurzer Zweifel – und schon wurde der Kauf vorerst aufgeschoben. Indem die beiden Welten (online und offline) durch AR verknüpft werden, können Unsicherheiten dieser Art aus dem Weg geräumt werden. Dem Nutzer bietet sich also die Möglichkeit, sich mit dem Produkt besser vertraut zu machen, es kennen zu lernen, den Besitz und die Verwendung des Produktes konkret anzudenken.

Die Vorteile von AR im E-Commerce

Welche Vorteile lassen sich aus der Verknüpfung von AR mit E-Commerce ableiten?

Vorteile aus Nutzersicht:

  • Eine deutlich bessere Shopping-Experience:
    – Mehr Freude an der Nutzung
    – Eine bessere Entscheidungsgrundlage
  • Höhere Erwartungskonformität nach Lieferung des Produktes

Vorteile für Unternehmen:

  • Höhere Konversionsraten/ niedrigere Abbruchraten auf Grund von Unsicherheiten bezüglich Product-Fit
  • Die höhere Erwartungskonformität in Bezug auf das gelieferte Produkt führt im Idealfall auch zu weniger Retouren.
  • Markenwerte in Hinblick auf den Innovationsgrad des Unternehmens können anfänglich ansteigen.

Worauf bei der Implementierung von AR in einem Shopsystem geachtet werden sollte

Je mehr Funktionen geboten werden, desto wahrscheinlicher ist es, dass sich die Usability und somit die User Experience einer Benutzeroberfläche verschlechtert.

Herausforderungen, die es bei Konzeption und Umsetzung zu berücksichtigen gilt:

  • Die Kalibrierung des Objektes, auf das die AR-Technologie Anwendung findet, sollte schnell und verlässlich durchführbar sein.
  • Die Navigationswege zwischen Produkt im Shop-Interface und der AR-Anwendung müssen kurz gehalten und intuitiv durchführbar sein.
  • Die Platzierung (falls nötig) des virtuellen Produktes sollte individuell einstellbar sein.
  • Das virtuelle Produkt sollte so real wie möglich aussehen.
  • Schließlich muss die Rückleitung in den Checkoutprozess nach AR-Anwendung flüssig und ohne Nutzungsbarrieren durchführbar sein.

Wie man aus den obgenannten Punkten schnell erkennen kann, treten eine Vielzahl an Herausforderungen bei der Implementierung von AR in einem Onlineshop auf. Werden diese nicht erfüllt, könnte die Integration von Augmented Reality zum Show Stopper eines Onlineshops werden. Die Durchführung von UX-Tests mit potentiellen Nutzern kann unerwünschte Nutzungsbarrieren aus den Weg räumen und sollte daher in den Entwicklungszyklus aufgenommen werden.

Augmented Reality im E-Commerce: Fallbeispiele

Ikea

Ikea hat sich dem Thema Augmented Reality im E-Commerce früh angenommen. Auch absolut nachvollziehbar, die Nutzerfrage nach dem Product-Fit wird bei Online-Einkäufen über Ikea häufiger aufkommen. Ikea hat hierzu eine App entwickelt, anhand welcher man sich alle im Onlineshop verfügbaren Möbelstücke direkt in sein Wohnzimmer stellen kann.

Wir haben uns überlegt, einen weiteren Stuhl für unseren Testraum zu kaufen und die App direkt ausprobiert. Das Ergebnis ist zwar noch nicht optimal, bietet aber dennoch einen guten Anhaltspunkt und ist im Entscheidungsprozess sehr hilfreich.

Auch Sephora (Kosmetik), Mister Spex (Brillen) oder Amazon haben sich dem Thema Augmented Reality angenommen.

Sephora

Unsere Kollegin Anna hat die App von Sephora ausprobiert:

Stärken der Sephora-App:

  • Die Kalibrierung und Anwendung der gewählten Kosmetikprodukte funktioniert gut und ist realistisch.
  • Die App bietet eine Vielzahl an Einstellungsmöglichkeiten.

Schwächen der Sephora-App:

  • Die schlechte Clusterung der Einstellungsmöglichkeiten erschwert die Auffindbarkeit passender Produkte.
  • Wie unschwer zu erkennen ist, haben die Fotos nach AR-Anwendung eine schlechte Auflösung. Die Wahrscheinlichkeit sinkt, dass AR-Konfigurationen mit Freunden und Bekannten besprochen werden. Dadurch reduziert sich indirekt auch die Weiterempfehlungsrate der App und des Produktes.

Mister Spex

Wir haben uns auch noch einmal die Anwendung von Mister Spex (erreichbar über den Button „Virtuell anprobieren“ auf der jeweiligen Produkt-Detailseite) angesehen und den Direktvergleiche gemacht: Brille im Original vs. virtuelle Brille.

Insgesamt bietet die Anwendung von Mister Spex einen guten Anhaltspunkt zur Form der Brille. Unschwer zu erkennen: die Farbgebung ist im Original doch etwas anders. Großes Manko ist, dass die AR-Anwendung nicht auf der mobilen Website aufgerufen werden kann.

Augmented Reality im stationären Handel

Jedoch hinterlässt Augmented Reality seine Spuren nicht nur im Onlinehandel. Auch der stationäre Handel kann durchaus von Augmented Reality profitieren und sich dadurch neu erfinden. So können Zusatzinformationen zu Produkten, die in enge Regale gequetscht wurden, über den Smartphonescreen ausgespielt werden. Anhand einer App und durch Beacons könnte sich der Kunde in einem Lebensmittelgeschäft zu den Zutaten eines Rezeptes navigieren lassen. Pfeile am Fußboden würden die Richtung vorgeben und einen effizienten Einkauf ermöglichen. Weitere Produktempfehlungen könnten zusätzlich angezeigt werden.

Tendenziell scheint AR aber stärker im Onlinehandel Fuß zu fassen. Allein die Unterschiede in der Technikaffinität zwischen Online- bzw. Offlineshoppern legen diese Vermutung nahe.

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Paul Kritzinger
Paul Kritzinger
Paul hat bei Facit Digital Projekte durch Anwendung unterschiedlichster Methoden durchgeführt. Bei der Analyse von Benutzeroberflächen findet er Zusatzfeatures und Mikrointeraktionen besonders spannend. Seiner Meinung nach liegt hier häufig ein großer und unausgeschöpfter Hebel zur Steigerung der User Experience.